Kein Futter aufgetaut - was nun?

Es ist Fütterungszeit, aber der Blick in den Kühlschrank verrät, wir haben vergessen, das tiefgekühlte Fleisch für die nächste Barf-Mahlzeit am Vorabend aus dem Gefrierschrank zunehmen und entsprechend zu portionieren. 

Was nun? 

Kann man das Fleisch noch schnell in Turbo-Geschwindigkeit auftauen und den Rest wieder einfrieren?

Der Blick auf die Verpackung zeigt einen Warnhinweis, dass das Fleisch nicht wieder eingefroren werden darf. Dieser Hinweis bezieht sich auf eine EU-Verordnung aus dem Jahr 1988 und entbindet den Hersteller von jeder Haftung, sollten Sie das Fleisch längere Zeit nach dem Einkauf im Auto liegen lassen und es zu Hause wieder einfrieren wollen.

Die Frage ist somit völlig berechtigt. 

Klären wir zunächst, was mit Fleisch passiert, wenn es langsam im Auto antaut? 

So wie die Haut jedes Lebewesens, enthält auch Fleisch auf seiner Außenseite Bakterien und Mikroorganismen, sogenannte Keime. 

Diese können, wenn sie sich vermehren, krankmachen.

Müssen sie aber nicht. 

Denn die Meisten vermehren sich nur bei Wärme. Tauen wir also das Fleisch langsam im Kühlschrank auf, so erfolgt ihr Wachstum recht langsam und zahlenmäßig gering. 

Lassen Sie das Fleisch aber wirklich so lange im Auto liegen, bis es komplett aufgetaut ist oder lassen es bei Zimmertemperatur lange liegen, kann das eher problematisch werden. 

Zu allererst einmal für uns Menschen! 

Wir sind nicht so resistent gegen diese Keime. Schließlich sind wir seit vielen tausenden von Jahren keine ausschließlichen Rohfleisch-Esser mehr. 

Anders unsere Hunde und Katzen

Als reine Fleischfresser haben sie Mechanismen entwickelt, die Keime auf rohem Fleisch im Zaume halten. 

Da ist z.B. der pH-Wert des Magensaftes. 

Ausgeschrieben bedeutet "pH": p = potentia, H = hydrogenii, also Konzentration an Wasserstoff-Ionen in Flüssigkeiten. 

Dieser Wert kann bei unseren Vierbeinern, je nach Futterzusammensetzung, bis zu einem Wert von 1 absinken. Das bedeutet, der Magensaft kann zu fast 100 % aus Salzsäure bestehen. 

Im Vergleich dazu besitzt auch Batteriesäure einen pH-Wert von 1, normaler Essig einen Wert von 2,9. Der Wert von Cola liegt zwischen 2 und 3 und der von Kaffee bei 5. 

Menschlicher Speichel dagegen hat einen pH-Wert von 6,5 - 7,4, also eher basisch. 

Die entsprechenden Bakterien, die auf rohem Fleisch vorkommen können, haben auch so ihre pH-Wert-"Wohlfühlzonen". Campylobacter mag z.B. einen pH-Wert zwischen 5,5 und 9, Salmonellen bevorzugen Werte zwischen 4 und 9,6, während Yersinia enterocolitica sich bei einem pH-Wert von 4,5 bis 9 wohlfühlt. Und das allseits vorkommende Escherichia coli mag es am Liebsten, wenn der pH-Wert bei 4 - 9,5 liegt.

Somit ist klar, das diese Bakterien im gesunden Hunde- oder Katzenmagen nicht überlebensfähig sind. 

Außer, das Immunsystem ist gestört. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema. 

 

Zurück zum Auftauen!

Wenn Sie also das Fleisch im Kühlschrank langsam auftauen unter Einhaltung der Kühlkette, kann nichts passieren. 

Wenn es mal ganz schnell gehen muss, gibt es auch die Möglichkeit, das Barf-Gut in eine Gefriertüte zu packen und diese Tüte in einem mit heißem Wasser gefüllten Gefäß aufzutauen. 

Achten Sie bei allen Auftauvorgängen darauf, dass Sie das Behältnis mit dem Gefriergut nicht luftdicht verschließen. 

Bei Sauerstoffabwesenheit können sich Clostridium botulinum-Bakterien vermehren. 

Diese Bakterien wachsen allerdings nur, wenn sie vor dem Einfrieren schon auf dem Fleisch vorhanden waren und nur unter Luftabschluss. Man spricht auch von anaerob-lebenden Bakterien. 

Eine Frage, die auch oft gestellt wird, ist: 

Darf bereits angetautes Fleisch wieder eingefroren werden, z.B. wenn Sie große Portionen teilen wollen?

Ja, das ist problemlos möglich. 

Lassen Sie nur Hund oder Katze zuvor nicht daran schlecken oder beißen. Das verhindert, dass zusätzliche Bakterien über den Tierspeichel auf das Fleisch gelangen. 

Die neuen Portionen sollten so groß sein, dass Sie beim nächsten Mal maulgerechte Mahlzeiten auftauen können. 

Einmal Aufgetautes sollte zügig eingefroren werden. 

Am Besten ist es, die Beutel flach zu drücken. Dann friert es schneller durch.


Zusammenfassend gilt:

1. Das Sicherste sind kurze Auftauzeiten unter Einhaltung der Kühlkette. 

2. Ein Auftauen in der Mikrowelle ist zwar möglich, nur sollten Sie bedenken, dass damit das Fleisch bereits vorgegart wird. Und bei der Barf-Fütterung wollen wir ja unsere Vierbeiner argerecht mit rohem Fleisch ernähren.

3. Beim erneuten Einfrieren darauf achten, dass das Fleisch so kurz wie möglich außerhalb des Kühlschrankes war und keine Verunreinigung stattgefunden hat. Zügig einfrieren!

4. Große Fleischmengen vor dem Einfrieren in kleinere Portionen teilen, damit beim nächsten Auftauen alles verbraucht wird. 

 

Wie sieht es eigentlich mit dem Mineralstoff- und Vitaminverlust nach dem Auftauen aus?

Da Fleisch zu 80 % aus Wasser besteht, taut dieses natürlich auch auf und sammelt sich im Auftaugefäß. Die darin enthaltenen Vitamine (B, C, H) sind alle wasserlöslich. Darum sollte man das Tauwasser auch mit verfüttern. 

Die fettlöslichen Vitamine sowie alle anderen Mineralien bleiben unbeeindruckt vom Gefrierprozess. 

Dennoch ist tiefgefrorenes Fleisch nicht unendlich haltbar. 

Enthaltene Bakterien und Pilze werden nicht abgetötet sondern lediglich in ihrer Vermehrung stark gehemmt.

Bei einer Frosttemperatur von - 18°C werden folgende Lagerungszeiten empfohlen:

Rindfleisch           6 - 8 Monate

Kalb                     4 - 5 Monate

Lamm                  9 Monate

Geflügel               4 - 6 Monate

Wild                     6 - 8 Monate

Fisch                   4 Monate

Dabei gilt, je fetter das Fleisch (aufgrund seiner lockeren Zellstruktur), um so kürzer ist die Tiefkühl-Lagerungszeit.

Wenn Sie die allgemein üblichen Hygieneregeln einhalten, steht einem ungetrübten Barf-Vergnügen nichts im Wege.

 

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